LACK AUF WAND
INTEGRATION STATT VERBOT
DER SCHIRMHERR

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Christian Schlegl
Fraktionsvorsitzender der CSU Regensburg

Es ist nicht gerade ein Klassiker der konservativen Politik sich für Graffiti und Street Art einzusetzen.
Ich befinde mich weder im Wahlkampf, noch werde ich von irgendeiner Stelle her genötigt mich für junge Künstler zu engagieren. Und trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle eindringlich für die Belange der Regensburger Sprayer-Szene aussprechen. Warum? In Regensburg hat die legale Organisation der Graffiti-Künstler eine lange Tradition.
Bereits zu Beginn der 90er Jahre gründeten sich Clubs und Vereine zur Graffiti-Kultur. Legale Aufträge wurden vergeben, nach und nach auch von Seiten der Stadt und größerer Unternehmen. Die Regensburger Graffiti-Szene überzeugte mich durch politisches und soziales Engagement, Fleiß und Nachhaltigkeit ihrer Projekte und Visionen.

Die Regensburger Szene war mutig genug, aus dem Untergrund herauszutreten und sich dem Tageslicht öffentlicher Diskussion zu stellen. Das erfordert auch Zivilcourage und Einsatz. Ich möchte solche Nachdrücklichkeit fördern.
Ich möchte ehrenamtliches Engagement junger Menschen fördern, nicht im Keim ersticken.
Ich möchte Regensburger Künstler mit ihrer Kunst wachsen lassen, sie nicht limitieren oder in den Untergrund verweisen.
Viele ehemalige Graffitikünstler unserer Stadt sind heute erfolgreiche Künstler, Designer und Grafiker. Talent muss gefördert werden, nicht nur im Sport.
Das Projekt „24h-galerie“ war bislang der wohl konsequenteste Schritt in Richtung einer erfolgreichen Einbindung der Graffitikultur in das urbane Umfeld. Doch es ist auch ein Vorbild im Hinblick auf seine Nachhaltigkeit. Das EU-Projekt, das auch ein Teil der Regensburger Bewerbung zur Kulturhauptstadt war, wird von seinen Initiatoren noch immer gepflegt.
Gerade dies will die Veranstaltung „Lack auf Wand“ auch zeigen. Graffiti ist längst nicht nur auf der Suche nach „fame“ und schneller Verewigung. Graffiti ist die neue Ausdrucksweise einer alten Idee – dem Hinterlassen der eigenen Spur.
Diese Spur muss nicht, wie das Graffiti selbst schnell verwischen, übermalt werden oder verblassen.

Sie kann auch in Form von sozialem Einsatz und der Verwirklichung von Ideen bleiben und bereichern. Denn es ist fantastisch für die Stadt, die Bürger und die Szene selbst, wenn es nicht nur um schnelle Projekte zur Gewissensberuhigung gegenüber den Künstlern geht.
Sondern um Konstanten der Jugendkultur. In Zukunft werde ich mich für für weitere Flächen nach dem Vorbild der „24h-galerie“ einsetzen. Auch den Boden für dieses Vorhaben bietet die Veranstaltung „Lack auf Wand“ mit der Möglichkeit der Diskussion und des Austauschs. Die Gestaltung der Regensburger Blindenschule ist außerdem ein karitativer Aspekt, den ich mit meiner Schrimherrschaft besonders unterstützen will.
Durch haptische Elemente und verschiedene Techniken bringen die Künstler Graffiti zu den Bürgern, denen es bislang vorenthalten blieb: Blinden Menschen, Menschen mit Sehbehinderungen und Mitbürgern starken Behinderungen.
Graffiti zu denen zu bringen, die es bisher nicht sehen konnten, das ist die Quintessenz der „24h-galerie“ und der diesjährigen Jubiläumswoche zum fünfjährigen Bestehen. Die Künstler zu unterstützen und für ihren nachhaltigen, ehrenamtlichen Einsatz zu würdigen, das ist mein Anliegen. Es wird in Zukunft immer wieder Möglichkeiten für temporäre oder längerfristige legale Sprühflächen im Stadtbereich Regensburg geben.

Mein Engagement zielt besonders auf eine massive Ausweitung legaler Sprayflächen ab, damit den jungen Künstlern eine dauerhafte Präsentation ihrer Arbeiten möglich ist. Als positiver Nebeneffekt ergibt sich eine wohltuende Trennung von legaler Graffiti-Kunst und illegalen Schmierereien

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