LACK AUF WAND
INTEGRATION STATT VERBOT
DAS SCHREIBT DIE PRESSE

19. APRIL MZ REGENSBURG

BR ONLINE | ZÜNDFUNK | 18. August | http://www.br-online.de/bayern2/zuendfunk/zuendfunk-bayernkurier-regensburg-ID1250599177436.xml

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Streetart ohne Straße?

Wie sehr darf sich der Mainstream der Subkultur nähern? Darf die konservative Volkspartei CSU auch Streetart unterstützen, wenn schon die Grünen ihre Wahlplakate im Stencil-Stil anfertigen lassen? Und was zum Teufel braucht Madonna einen persönlichen Graffiti-Künstler?

Es gibt in Regensburg, wenn man die Donau stadtauswärts entlang läuft – kurz nach dem Dultplatz –  ein kleines Stück Rasen, auf dem vier Mauern stehen. Statt ihren Sinn zu erfüllen und ein Haus einzurahmen, stehen diese Mauern nebeneinander. Mit ein paar Metern Abstand (wäre der Abstand nicht, wären diese Mauern also in einer Reihe zusammen, dann wäre es ja nur eine Mauer, nicht vier, aber egal…).

Vor fünf Jahren hat man diese Mauern errichtet und sie bekamen den Namen „24h-Galerie“. Fortan wurden sie bewusst und geplant von Graffiti- und Streetart-Künstlern verschönert. Bunt und legal.

Ab 4. September wird die 24h-Galerie einen neuen Anstrich oder besser, eine neue Ansprühung bekommen. Mit prominenter Unterstützung. Aus vielen Lagern. „Prominente Unterstützung?“, solltet ihr mich jetzt Fragen, „Da kennen wir nur Banksy und den bekommt ihr eh nicht nach Regensburg!“ Und „Nein!“ würde ich antworten, „Der örtliche CSU-Fraktionsvorsitzende ist gemeint.“ Aber nicht nur der.

Vor ein paar Tagen traf ich Phuc Huynh, einen der Veranstalter von „24*7 Lack auf Wand“, einem einwöchigen Graffiti-Event, das am 4. September mit einer Podiumsdiskussion im Regensburger Andreasstadel startet. Phuc erzählte mir nicht ohne Stolz vom Programm, das gerade am gedeihen ist. Er erzählte von einer „All you can spray“-Aktion in der stillgelegten Regensburger Zuckerfabrik (abgesegnet vom Käufer des Industrieareals, dem Geschäftsführer eines lokalen Immobilienunternehmens). Dabei sollten Sprayer die Möglichkeit bekommen, zu sprühen, was die Dosen hergeben. Sämtliche Wände der brachliegenden Industriebauten waren im Bereich des Möglichen. Im nun auf der Internetseite lack-auf-wand-de vorgestellten Programm taucht diese Aktion aber nicht mehr auf. Auch nicht das andere Highlight, dass der Veranstalter brandheiß und vorfreudig ausgeplaudert hatte: „Es kommt der persönliche Graffiti-Künstler von Madonna.“

Madonna hält sich einen Graffiti-Künstler? Ey freilich. Und dem erzählt sie dann, so etwas wie: „Mir ist langweilig und nix kommt im Fernsehen. Kannst du mir gerade mal die Wand hier bunt ansprühen?“

Wer aber wirklich kommen will, ist der international arbeitende Graffiti-Künstler Renè Turrek. Der hat wenigstens für den Rennfahrer Ralf Schuhmacher, den Basketballer Dirk Nowitzki, die Fußballer Raphael van der Vaart und Piotr Trochowski und das – ähm, was den eigentlich? – Sternchen Paris Hilton gearbeitet. Turrek hat einmal illegal gearbeitet, das gibt er offen zu. Doch das ist lange her. Inzwischen macht er Auftragsarbeiten. Legal.

Und die Legalität gefällt auch Christian Schlegl, dem Fraktionsvorsitzenden der CSU im Regensburger Stadtrat. Prominent wird seine Schirmherrschaft von den „24*7 Lack auf Wand“-Veranstaltern groß geschrieben und gleich hinter der Idee und noch vor den eigentlichen Machern auf der Internetseite erwähnt. Schlegl versucht in seinem Grußwort zuerst sämtliche aufkommenden Zweifel vom Tisch zu fegen:

„Es ist nicht gerade ein Klassiker der konservativen Politik sich für Graffiti und Street Art einzusetzen. Ich befinde mich weder im Wahlkampf, noch werde ich von irgendeiner Stelle her genötigt mich für junge Künstler zu engagieren.“ Und nachdem Schlegl engagiert erklärt, dass die Graffiti-Kunst eben auch mit der Verwirklichung von Ideen zu tun hat und eine Form von sozialem Einsatz sein kann, schließt er mit: „Legales und sozial engagiertes Sprayen hat mit mir ein starkes Sprachrohr im Regensburger Stadtrat und im Bayerischen Städtetag.“

Und genau daran scheinen sich Sprayer, die eben nicht von Auftragsproduktionen für Stars und Sternchen leben, zu reiben. Es gibt in Regensburg Streetart-Künstler, die mit „24*7 Lack auf Wand“ nichts zu tun haben wollen. Auch wegen dem Engagement des CSU-Politikers.

Auch in einem Internet-Blog wird die Veranstaltung inzwischen thematisiert und erntet Kommentare wie: „traurig traurig, wenn jetzt schon graffiti von ‚denen‘ instrumentalisiert wird. und noch trauriger, wenn sich pseudo mitglieder der community instrumentalisieren lassen… – olympiquetango“.

Vielleicht wird genau der schmale Grad zwischen Subversion und CSU, zwischen illegaler Subkultur und legaler Dienstleistung für Paris Hilton Thema der Auftaktveranstaltung von „24*7 Lack auf Wand“ sein. Wenn neben dem Immobilien-Mann Martin Schmack und CSU-Fraktionchef Christian Schlegl, Florian Gaag, der Regisseur des Graffiti-Films „Wholetrain“, auch „Sprayer aus ganz Europa“ auf dem Podium sitzen werden.

Diese Sprayer werden zur Zeit für die Regensburger Veranstaltung, die am 4. September beginnt, auch über das Business-Netzwerk Xing gesucht. Die erste Adresse für Künstler, die ihre Kunst üblicherweise ungefragt im offenen Raum anbringen?

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Blizz Regensburg | 30. August 2009

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HUGO STADTMAGAZIN | AUSGABE SEPTEMBER 2009

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Kultur Tipp | Stadtmarketing Regensburg 31. August – 6. September 2009

Ausstellung: 03

Mittelbayerische Zeitung | MELDUNG VOM 02.09.2009, 09:05 UHR

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Radio Charivari Interview mit Franz Rebl Junior | Mi. 02. Sep., HE

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http://www.dieoberpfalz.de/buntes-haus-graffiti-020909_111.html | Mittwoch 2. September 2009

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TVA  | Mittwoch 2. September 2009| http://www.tvaktuell.com/default.aspx?ID=846&showNews=509207

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SZ | 3. September 2009

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MZ | 3. September 2009

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Lack auf Wand in der SZ | 7. September 2009

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Rundschau | 9. September 2009

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www.lack-auf-wand.de (10.09.2009) ab 20.15 Uhr im Fernsehen (quer | BR))

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OBXS NEWS | September 2009

Integration statt Verbot: Neue Wege im Kampf gegen die Sprühdose

Im ostbayerischen Regensburg will eine private Initiative jetzt beispielhaft zeigen, dass man Graffiti künstlerisch in das Bild einer 2000-jährigen mittelalterlichen Stadt integrieren und gleichzeitig die Häuser vor ungewollten Graffitis schützen kann

Regensburg (obx) – Mehr als 200 Millionen Euro Schaden entstehen in Deutschland jedes Jahr durch illegale Graffiti-Gemälde an Gebäuden und Verkehrsmitteln, schätzt der Deutsche Städtetag. Allein 2008 verzeichnet die Polizeistatistik rund 800.000 Anzeigen wegen unerlaubter Schmierereien. Mit vielen Mitteln hat Deutschlands Politik bereits versucht, den Kampf gegen die Spraydose zu führen – bisher meist vergebens. Das ostbayerische Regensburg will nun neue Wege beschreiten, um die 2000-jährige Stadt vor unliebsamen Schmierereien zu verschonen: durch eine Initiative, die Sprayer mit einschließt und ihnen legale Möglichkeiten gibt, sich mit der Sprühdose auszutoben. Wenn das Projekt gelingt, könnte es zum Vorbild für viele andere von Graffiti geplagte deutsche Städte werden.

Graffiti wird für deutsche Verkehrsunternehmen und Hausbesitzer zunehmend zum Problem. Eine wirkliche Handhabe dagegen gibt es bisher kaum. Die Prävention durch „graffitifeste“ Fassadenanstriche funktioniert meist nur in entsprechenden Werbevideos. Und ein 2005 von der Bundesregierung beschlossenes Anti-Graffiti-Gesetz, das für Sprayer härtere Strafen vorsieht, entfaltet ebenso wenig Wirkung wie viele regionale Anti-Graffiti-Vereine in vielen deutschen Großstädten, die gegen die farbigen Verunstaltungen mobil machen.

Im ostbayerischen Regensburg will eine private Initiative jetzt zeigen, dass man Graffiti als Kunst sehr wohl in das Bild einer 2000-jährigen mittelalterlichen Stadt integrieren und gleichzeitig die Häuser vor ungewollten Schmierereien schützen kann. Der Schlüssel zum Erfolg dieses Modells soll der Dialog zwischen Politik und Stadtverwaltung auf der einen und den Graffitikünstlern auf der anderen Seite sein. „Nur wenn wir alle Beteiligten an einen Tisch holen, werden wir Erfolg haben“, sagt Phuc Huynh, der Gründer der Regensburger Graffiti-Initiative.

„Das Problem in Regensburg bestand genau wie in vielen anderen Städten bisher darin, dass Graffiti nicht als Kunst akzeptiert wurde, sondern nur darüber diskutiert wurde, wie die Bestrafungen für die Sprayer aussehen könnten“, erinnert sich Projektinitiator. Gemeinsam mit dem Leiter der privaten Kunstakademie in Regensburg, Stefan Göler, initiierte er im September eine erste Podiumsdiskussion, bei der alle – Sprayer, Politiker, Hausbesitzer, Bewohner – ihre Positionen vortragen konnten.

Unerwarteten Rückenwind erhielt die Initiative, deren erstes Event unter der Überschrift „24*7 Lack auf Wand“ stand, aus der Politik: Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Christian Schlegl, auch Mitglied im Bayerischen Städtetag, übernahm die Schirmherrschaft. „Es ist nicht gerade ein Klassiker der konservativen Politik sich für Graffiti und Street Art einzusetzen“, weiß Schlegl. Und dennoch tue er es: „In Regensburg hat die legale Organisation der Graffiti-Künstler eine lange Tradition. Bereits zu Beginn der 90er Jahre gründeten sich Clubs und Vereine zur Graffiti-Kultur. Legale Aufträge wurden vergeben, nach und nach auch von Seiten der Stadt und größerer Unternehmen“, sagt der CSU-Fraktionschef.

Die Regensburger Graffiti-Szene habe ihn durch politisches und soziales Engagement, Fleiß und Nachhaltigkeit ihrer Projekte und Visionen überzeugt, erklärt der Kommunalpolitiker: „Die Regensburger Szene war mutig genug, aus dem Untergrund herauszutreten und sich dem Tageslicht öffentlicher Diskussion zu stellen. Das erfordert auch Zivilcourage und Einsatz.“  Der CSU-Politiker will sich dafür stark machen, dass es  in Zukunft immer wieder temporäre oder längerfristige legale Sprühflächen im Stadtbereich Regensburg gibt.

Phuc Huynh hofft, dass die Auftaktwoche einiges ins Rollen bringt: „Wir wollen das Image der Graffiti verbessern und es aus der Illegalität herausholen“, erklärt er. „Die Sprayer freuen sich, dass sie gehört werden, ernst genommen werden und auch sehen, dass sich etwas bewegt.“ Die Initiative setzt dabei jedoch auch klare Grenzen: „Wir unterstützen Kunst, nicht die lästigen Schmierereien an Hauswänden.“ Ein erstes Beispiel dafür gibt es bereits: Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche besprühten Graffiti-Künstler die Außenwandflächen der Blindenschule in Regensburg – mit speziellen haptischen Elementen, die Graffiti-Gemälde erstmals für Nichtsehende erlebbar macht.

Für die Zukunft hat die Initiative große Pläne. In den nächsten Monaten wollen Phuc Huynh und seine Mitstreiter versuchen, neben der so genannten 24-Stunden-Galerie am Regensburger Europakanal, neue Plätze für die Graffiti-Kunst zu finden. „Genügend Flächen wären problemlos vorhanden, denn es gibt sehr viele Gebäude die in ein oder zwei Jahren abgerissen werden – ein echtes Potenzial für die Sprayer“, sagt Initiator Huynh. Auf dem Gelände der stillgelegten Regensburger Zuckerfabrik seien bereits erste Flächen gefunden. Zusätzlich will der Verein versuchen, in der Breite zu wirken: indem über die Sportvereine die Jugend von Anfang an mit in die Graffiti-Kunst eingebunden wird – nach dem Motto „Integration statt Verbot“.

Phuc Huynh hofft, mit der Regensburger Initiative vielen anderen deutschen Städten ein Vorbild sein zu können: „Wir selbst möchten unsere Aktion in Deutschland ausweiten und anderen Städten dabei helfen, eine ähnliche Initiative auf die Beine stellen zu können“, sagt Phuc Huynh, der im Hauptberuf Inhaber einer Webhosting-Agentur in der Domstadt ist.

quelle: www.obx-news.de | Ostbayern EXTRA

Mittelbayerische Zeitung | 8. September 2009

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Kultur Ostbayern | http://www.kultur-ostbayern.de/?p=1445

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Donau Post | 4. September

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Donau Post | 7. September 2009

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Donau Post | 9. September 2009

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